Die Sache mit der Feinmotorik

Die viel beschworene Feinmotorik...

Ganz oft erwähnen wir in unseren Artikelbeschreibungen, dass dieses und jenes die Feinmotorik fördert. Aber was gehört eigentlich alles dazu und warum ist diese so wichtig?

Zur Feinmotorik gehören die zielgerichteten Bewegungen so ziemlich aller Körperteile. So zählt sowohl die Bewegung des kleinen Fingers genauso dazu wie das Wackeln mit den Zehen, die Mimik aber auch die Muskelnutzung der Zunge beim Sprechen.

Die Feinmotorik deckt also viele Bereiche ab – wir benötigen sie zur Sprachförderung, zum Laufen und zum Malen, Schreiben, Basteln.

Das Anbieten von Spielzeug kann vielerlei Bereich der Feinmotorik fördern, heute konzentrieren wir uns auf die kleinen Hände - das gezielte Ausstrecken und Greifen der Hand ist die Grundlage von allem. Diesen Prozess nennen wir Auge-Hand-Koordination. Er ermöglicht uns, etwas Bestimmtes zu greifen oder zu bewegen. Die Auge-Hand-Koordination wird trainiert, indem wir immer kleinere und feinere Gegenstände zum Greifen anbieten, so wandern wir vom klassischen Faustgriff (ab ca. 6 Monate) zum feinen Pinzettengriff (bis ca. 18 Monate). Mit ca. 24 Monaten werden auch die Stifte im Faustgriff gehalten bis wir mit etwa 48 Monaten den Stift korrekt halten können. Schon diese Grundsteine sind wichtig, um in der Schule eine saubere und schöne Handschrift zu entwickeln, einen Ball gut werfen zu können oder die ersten Tasten auf dem Klavier drücken zu können. Aber wie können wir all diese wichtigen Bausteine fördern?

In den ersten 12 Monaten des Lebens wird der Greifreflex zur Greifbewegung. Klassische Greiflinge und kleine, babygerechte Spielzeuge tragen hier zur Förderung bei.

Die ersten motorischen Fähigkeiten werden im Alter von 12-24 Monaten bewusst trainiert. Ob Türmchen bauen oder Steckboxen nutzen – alles, was hier gezielt auf einen bewussten Punkt gesetzt werden muss, trainiert die Auge-Hand-Koordination. Später kann man die ersten feinmotorischen “Trainingseinheiten” hinzufügen. Versucht doch mal euer Kind Wolle aufrollen zu lassen oder den Rasen zu zupfen.

Ab dem Alter von 2-3 Jahren gilt so ziemlich alles Kreative als super Trainingseinheit – ob Kritzeln und Malen auf einem Blatt Papier, das erste Schneiden mit einer Schere, das Aufwickeln von Fäden oder das Sortieren von Wäscheklammern nach Farben – hier könnt ihr kreativ werden und eurem Kind alles altersgerechte in die Hand geben. Ein Tipp von Eltern für Eltern: Buntstifte, die auf Glas malen und ein großes Fenster beschäftigen euer Kind mindestens dreißig Minuten lang.

Ab vier Jahren kann man mit den ersten Schwungübungen und dem Nachspuren beginnen. Damit das nicht zu langweilig wird, sind Bastelsets eine tolle Abwechslung! Gerade das Schneiden mit einer Schere und das zielgerichtete Auftragen von Kleber sind schon eine ordentliche Herausforderung für die kleinen Wirbelwinde. Aber auch das Zusammensetzen von Puzzeln und das Setzen von Figuren in einem Gesellschaftsspiel sind tolle Übungseinheiten und fördern noch viele andere kognitive Fähigkeiten.

Der Großteil der feinmotorischen Entwicklung ist mit dem Grundschulalter abgeschlossen. Ab da wird nur noch trainiert und verfeinert. Aber wer rechtzeitig die Grundlagen legt, setzt damit eventuell den Startschuss für die Karriere als Pianist – oder zumindest für die beste Handschrift der Klasse.